Magie des Raumes

Die Magie des Raumes

„Abstract – the art of design“, die 1. Folge der 2. Staffel über den dänisch-isländischen Architekten und Künstler Olafur Eliasson. Mich hat es wirklich zu Tränen gerührt! Einerseits die wunderbaren Arbeiten von Eliasson in ihrer Schönheit. Raum einfangen, begreifen, gestalten und eine neue Ebene des Erlebens zur Verfügung stellen.


Was mich auch überwältigt hat, mir wieder bewusst zu werden, dass es meine tägliche Arbeit ist und das es etwas Magisches hat. Räume sind nichts Statisches. Sie verändern sich. Jede Sekunde neu. Ihr Erleben ist immer wieder anders, sehr persönlich und subjektiv, abhängig von Betrachter, Umgebung, Umwelt… Etwas sehr fragiles. Kleine Momente. Und darin liegt so eine unendliche Magie und Kraft, der wir uns nicht entziehen können, die immer wirkt. Diese Erkenntnis überwältigt mich immer wieder.


Und ja, ich glaube, dass wir eine andere, bessere Welt hätten, wenn wir uns mit ihr in physischer Weise bewusster auseinandersetzen würden. Wenn wir Räume anders gestalten würden, Orte anders behandeln würden. Unsere (bebaute) Umwelt bestimmt nicht nur unser persönliches Wohlbefinden, sondern unsere Gesellschaft, unsere Werte, unser soziales Miteinander, unsere Art zu Träumen, zu Handeln, zu Denken.
Wie traurig, dass es in Praxis so wenig verstanden wird, Potentiale aufzuspüren und städtebaulich umzusetzen. Eine offene Gesellschaft braucht einen offenen Raum – zum Experimentieren, treiben lassen, kreativ sein, zusammen sein. Wie können wir ein allgemeines Bewusstsein für lebenswerten Raum schaffen?


Ein kleiner Anfang, indem man Olafur Eliasson bei seiner großartigen Arbeit über die Schultern sieht und sich verzaubern lässt.

Raum wirkt. Immer!

Raumwirkung, Innenarchitektur Berlin, studio kristin engel

Raum wirkt. Immer! 

Genauso wenig wie wir uns der Existenz von Raum entziehen können, können wir uns seiner Wirkung entziehen. Die Umwelt, die uns umgibt, wirkt ständig auf uns und wir wiederum nehmen Einfluss auf diese Umwelt. Egal, ob es eine künstlich erschaffene Umgebung ist oder ein wilder Ort in der Natur, wir erleben diesen Raum mit allen Sinne, ziehen daraus bewußte und vor allem unbewußte Schlussfolgerungen und Bewertungen, die Einfluß auf unser Raumempfinden nehmen. Bei genauer Betrachtung klingt das irgendwie logisch, oder?! Aber hast du tatsächlich mal darüber nachgedacht?

Im Laufe unseres Lebens sammeln wir unendlich viele Erfahrungen und Eindrücke und speichern diese ab. Einige kramen wir gern hervor, ander scheinen zu versinken in den tiefen Weiten unseres Hirns. Und doch werden sie immer wieder hervorgeholt und mit neuen (räumlichen) Situationen abgeglichen, bewusst oder auch unbewusst. Eine karge, emotionslose Umgebung und Gerüche, die uns an unangenehme Situationen erinnern und beim Betreten eines neuen Raumes Unbehagen hervorrufen. Eine Wandfarbe, die unser Herz zum Rasen bringt. Eine Hotellobby, in der wir versinken möchten, weil weicher Samt in unseren Lieblingstönen die Polstermöbel ziert. Raum wirkt auf uns emotional, bewußt/unbewußt aber auch hormonell. Farben, Materialien, Klänge können Einfluss auf unserer Körperfunktionen und den Hormonhaushalt nehmen. Entspannende Blautöne, die für Ruhe sorgen oder starke, vielleicht schon aggressive Rottöne, die aufwühlen und das Herz in Wallung bringen. Auch unsere eigene Stimmung und Tagesform hat stark Einfluss darauf, wie wir Räumlichkeiten und Orte bewerten und wie sie auf uns wirken. Es ist eine fortwährende Wechselwirkung. 

Raum ist nicht gleich Raum

Wenn wir uns Zuhause oder am Arbeitsplatz stets unwohl fühlen, sollten wir auch unsere Umgebung noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Fühle ich mich denn hier überhaupt wohl? Klar, es ist nicht tagtäglich Friede, Freude, Eierkuchen, aber eine Umgebung, die mich beruhigt, verwöhnt, aufbaut und neue Energie schenkt, hilft ungemein, den Hürden des Alltags stärker zu begegnen. Umgekehrt kann eine negative Umgebung wirklich auch krank machen, auslaugen, die letzten Reserven kosten. Das fatale ist, dass wir uns der Wirkung von Raum oft nicht bewusst sind und daher nicht erkennen, wie positiv sich eine neue Raumgestaltung auf unser Leben auswirken könnte. Aber es macht einen Unterschied, ob ich in der Business-Lounge auf den Flieger warte oder in einer nackten Wartehalle oder ob ich in einer intimen, schönen Arztpraxis meiner Untersuchung entgegen sehe oder im nüchternen Wartebereich eines Krankenhauses. Und auch auf die Nachricht eines Kunden „Schaffen Sie das schon bis morgen abend?“ lässt sich entspannt im Lieblingssessel cooler reagieren als in der überfüllten U-Bahn.