Farben, ihre Wirkung und Bedeutung

Farben sind entscheidender Ausdrucksfaktor räumlicher Gestaltung. Sie bestimmen die Atmosphäre eines Raumes maßgeblich, beeinflussen die Wirkung räumlicher Proportionen und steuern unbewusst unsere Wünsche, Ängste und Gefühle. Jedoch haben Objektfarben eine teilweise gegenteilige Wirkung wie die entsprechende Lichtfarbe. Blau zum Beispiel wirkt im allgemeinen beruhigend, blaues Licht hingegen wirkt aufputschend. Im Gegenzug wirkt die Farbe Rot aufregend und belebend, als Lichtfarbe wiederum aber eher beruhigend auf unseren Organismus.

Farben wirken also tiefenpsychologisch wie auch hormonell, werden daher auch zu Therapiezwecken angewandt. Welcher Farbe welche Wirkung zugeschrieben wird, darüber habe ich im vergangenen Sommer bereits auf meinem stadtbude-Blog geschrieben.  Hier möchte ich es gern noch einmal zusammenfassen.

Blau – Abtauchen und Eintauchen, Tiefe und Leichtigkeit

Bei Blau denken wir an das tiefe Meer und den weiten Himmel, eiskalte Schnee- und Getscherwelten und erfrischende Bergseen. Helles, klares Blau verbinden wir mit Freiheit, Klarheit, Vitalität und Frische. In pastelligen Tönen wird es auch mit Jugendlichkeit, Unschuld und Fröhlichkeit in Zusammenhang gebracht. Babyblau, Himmelblau, Aquamarin sind nicht ohne Grund beliebte Farbtöne, wenn es um den Verkauf von Kinderklamotten geht oder auch die Vermarktung von Raststättenhygieneeinrichtungen. Helles Blau schafft eine vitale, lebhafte Atmosphäre.

Sattes, strahlendes Blau steht für Stärke, Seriosität, Tatendrang, Kompetenz. Ihm Begegnen wir teilweise mit Ehrfurcht und Neugierde. Klares, strahlendes Blau ist eine klare Ansage! Resolut und voller Kraft eignet es sich, Bereiche gekonnt und selbstbewusst in Szene zu setzen. Blau bringt Wanddekorationen besonders schön zum Leuchten. Das wussten schon einstige Schlossherren und Museen, die ihre Gemälde gern darauf positionierten. Tintenblau, Royalblau, Marineblau sind hier bekannte Vertreter und allein deren Namen lassen uns ehrfürchtig aufhorchen.

Dunkle Töne hingegen wirken beruhigend, sogar konzentrationssteigend. Tiefe Blautöne strahlen ebenso etwas unergründliches aus, in ihren Tiefen möchten wir schier versinken. Dunkelblau steht für Beständigkeit, wirkt bescheiden und zurückhaltend, aber auch maskulin und geheimnisvoll. Es ist stilvoll und zeitlos. Farbpsychologisch werden ihm die Eigenschaften Ruhe und Konzentration zugeschrieben, es symbolisiert Zurückhaltung, Seriosität und Beständigkeit. Wandgestaltung in tiefen dunkeln Blautönen sind momentan besonders beliebt, denn sie setzen einen starken Kontrast zu Möbeln und Wanddekorationen.

Blautöne lassen sich super zu Grautönen kombinieren, schaffen hier eine kühle maskulin-sachliche Umgebung. Mit Orange oder warmem Braun kombiniert bekommt es eine lebendige, warme Note im Sixties-Stil. Warme Hölzer und kalter Beton eignen sich jeweils als Materialien hervorragend im Zusammenspiel mit blauen Farbtönen. Der Marinestil, die Kombination weiß-blau, ist ein zeitloser Klassiker und steht für Freiheit, Frische und Sommer am Meer. Ob weiß gebeizte Möbel oder gestreifte Stoffe, man hört förmlich den schrillen Schrei der Möwen, die sich im Wind hin- und herschaukeln lassen.

Farben senden immer eine unbewußte Botschaft, ob Raumgestaltung oder Kleiderwahl. Oftmals sind wir uns dem gar nicht so bewußt, aber die Welt scheint der Einfachhalber wegen immer mehr in Schubladen einsortieren zu wollen, obwohl dies uns nicht gerecht wird. Ich selbst versuche zum Beispiel meinen Töchtern möglichst wenig rosa Klamotten aufzuhalsen, denn dieser „Barbie/Püppchen-Trend“ stößt mir mehr als sauer auf, ebenso wie die Einteilung in eine hellblaue und rosafarbene Kinderwelt durch Industrie und auch Gesellschaft. Für mich ist klar, allein rosarot sollte jedes Kinderleben sein und in Farben natürlich knallbunt! Hierzu ein kleiner, sehr interessanter Ausflug in die Geschichte der Jungs- und Mädchenfarben:

Rosa war in früheren Zeiten die Farbe kleiner Jungs und hellblau die der Mädchen. Das ganze hatte auch eine ganz logische Begründung! Denn Rot war früher die Farbe mächtiger Männer, sie steht für Kraft, Aggressivität, Mut und Gefahr (also klar, dass sie nun die Farbe von uns Frauen ist ;)). Rosa galt damals als „das kleine Rot“. Blau hingegen stand für Keuschheit, Gehorsam, Disziplin und Fleiß und galt als schicklich für Frauen. Das helle blau wurde demnach den Mädchen zugeteilt. Tja, so ändern sich die Zeiten.

Grün – Erfrischend und belebend, beruhigend und wohltuend

Grün wirkt wie ein spritziger Smoothie. Grün tut unserem Auge und unserer Seele gut. Es ist die frische Farbe saftiger Wiesen und die erholsame tiefe Nuance kühler Wälder. Grüne Farbtöne setzen wir gleich mit Natur und Leben, Neuanfang und Gesundheit. Beim Anblick können wir auftanken, durchlaufen eine mentale Reinigung – Grün ist Wellness.

Zarte Grüntöne, wie sie im Frühjahr in der Natur zu finden sind, stehen für Jugendlichkeit, Vitalität, Frische, Aufbruch und Neuanfang. Maigrün, Frühlingsgrün, Grasgrün- der Name ist Programm. Pastellige Töne wirken erfrischend, erinnern an Pistazieneis und Waldmeisterbrause. Sie wirken belebend und inspirierend, fördern Kreativität und Kommunikation. Kombinieren lassen sich die hellen, zarten Töne auch besonders gut zu Naturmaterialien, wie hellem Holz, weiße und beigefarbene Textilien oder Korbmaterialien.

Dunkleres Grün wirkt erholsam, beruhigend und konzentrationssteigernd. Wir fühlen uns angenommen und angekommen, wollen versinken und tief einatmen. Beim Anblick dunkler Grüntöne spüren wir eine starke Verbindung zur Natur. Der Urban-Jungle-Trend greift diese Farbe in all ihren Schattierungen besonders gern auf, denn sie passt perfekt zu dunklen Naturmaterialien wie braunem Leder, warmem Holz, Kork oder Bast. Und natürlich zu Zimmerpflanzen, denn die sind ja Voraussetzung für einen Dschungel, ohne wäre ja doof. Dunkle blau-grün Töne geben allem eine besondere Tiefe, Unergründlichkeit und wirken meditativ und ausgleichend.

Gedeckte, „dreckige“ Farbtöne sind sowieso in allen Tönen meine absoluten Lieblinge, denn sie wirken unaufdringlicher und immer ein bisschen Vintage und edel, lassen sich dabei auch einfacher mit Materialien und Strukturen unterschiedlichster Art kombinieren. Absolut im Trend sind momentan Töne wie Seegras oder Salbeigrün. Mmmhhh… wie das duftet!

Gelb – strahlende Diva

Zarte Töne wie Eierschale und Vanille sind echte Klassiker und seit Jahrzehnten beliebt. Doch auch kräftige Töne wie Senfgelb und Goldgelb hauen gerade wieder total rein und mischen das Interieur anständig auf. Gelb bringt Wärme ins Spiel, sorgt für Heiterkeit und Lebendigkeit, Strahlkraft und Stärke. Es bringt die sprichwörtliche Sonne in unsere Räumlichkeiten und sorgt somit für eine positive, entspannte Grundstimmung. Daher bieten sich Gelbtöne besonders für Räumlichkeiten der Kommunikation an und können auch als Akzentfarbe einzelne Bereiche besonders gut hervorheben.

Gelb ist aber auch eine kleine Diva und scheint auf den ersten Blick etwas schwierig zu sein. Es passt nicht zu allem, doch mit etwas Feingefühl sorgt es für echte Knaller. Goldene, satte Gelbtöne wirken elegant und luxuriös. Sie sind inspirierend und einladen, anregend und erheiternd.  Helle Gelbtöne reflektieren das Licht besonders gut und lassen Räume dadurch optisch weiter erscheinen.

Beige und Eierschale passen sehr schön zu hellen, natürlichen Oberflächen wie zu weißgekalkten Wänden und hellen Hölzern. Sie kommen aufgrund warmen Farbtemperatur mit einer unaufgeregten, freundlichen Note daher und sorgen für eine angenehme Wohlfühlstimmung. Kann man nichts falsch machen, kann man aber auch noch eine Schippe drauf legen. Denn kräftiges, klares Gelb ist ein Kracher! Gestaltungselemente in diesen Tönen kommen besonders zu dunklen kühleren Farben super zur Geltung und bilden hierzu einen tollen Kontrast. Grau, schwarz, dunkelblau sind die perfekte Basis, um vor allem satte Gelbtöne hervorragend zum Strahlen zu bringen und darüber hinaus als Gegenspieler immer cool und lässig. Hingegen warme, mediterran anmutende Gelbtöne harmonieren besonders gut zu ebenso warmen Farb- und Holztönen. So gehen Ocker und warmes Orange zum Beispiel gut zu braunem Leder oder dunklem Holz und geben in der Kombination eine eher rustikale, gemütliche Note.

Rot – Kraft und Leidenschaft

Rot steht für Leidenschaft, Kraft und Stärke, es symbolisiert Mut und Intensität. Rot steht auch für Gefahr, kann aggressiv und bedrohlich erscheinen. Die Natur nutzt diese Signalfarbe gern, um giftige Beeren zu kennzeichnen oder auf die Paarungsbereitschaft von Affendamen aufmerksam zu machen. Auf jeden Fall ist Rot nichts für graue Mäuse. Es fällt auf, stellt sich dominant in den Vordergrund und ist wohl die Farbe, die uns zu intensivsten Emotionen bewegen kann.

Räume in sattem Rot können inspirierend und anregend auf uns wirken, uns aber auch aufregen und nervös machen. Dies sollte bei der Farbwahl genau bedacht werden. Sie eignet sich gut in Räumlichkeiten, die der Kommunikation dienen, denn sie berührt uns mit allen Sinnen, bringt uns in Wallung. Farben wirken auf unser Bewusstsein und können darüber auch unsere Körperfunktionen beeinflußen. Rot regt an, bringt uns in Schwung.

Zarte Rottöne hingegen stehen gern für Reinheit, Unschuld, Mädchenhaftigkeit und Romantik. Rosé, Apricot, Puder sind weiche, dezente Rottöne und in Kombination mit Beige- und Weißtönen besonders beliebt. Sie bringen Balance, Zartheit und einen Tick Verspieltheit ins Leben. Sie regen zum Träumen an. Rosé-Töne passen toll zu hellen, gebeizten Hölzern und hellen Naturmaterialien, aber auch zu kräftigem, kühlen Grau.

Gedeckte dunkle Töne wie Bordeaux und Burgunder wirken hingegen sehr erwachsen und reif, spenden angenehme Wärme und schaffen eine Atmosphäre von Geborgenheit und emotionaler Tiefe. Hier fühlen wir uns angenommen und verstanden, aufgefangen und angekommen. Diese Farbtöne wirken besonders harmonisch zu warmen Materialien wie dunklem Leder, dunklem Holz und Brauntönen.

Rot in kräftigen Mischtönen wie Brombeere und Himbeere (Blauanteil) oder Lachs und Koralle (Gelbanteil) wirken ebenfalls sehr inspirierend und anregend, allerdings weniger aggressiv als Knallrot. Beerentöne, Koralle und Co sind die perfekten Sommerfarben, mit denen sich frische Akzente setzen lassen und die sich auch wunderbar untereinander kombinieren lassen. Man muss nur etwas mutig sein! Rot ist eine Farbe für Selbstbewußte!

Grau – lässiges Understatement

Grau liegt gerade absolut im Trend! Oder vielleicht auch schon wieder nicht mehr, denn der Einzug in die Baumarktregale der Republik kündigt doch auch immer den Wandel vom Besonderen zum Mainstream an. Dass gerade jeder so darauf abfährt, ist auch nicht wirklich zu verübeln, denn die Farbe (die streng genommen ja gar keine ist) ist absolut cool.

Grau ist unaufgeregt und super lässig, bietet die perfekte Bühne für andere Akteure, ob Farben oder Möbel. Understatement auf ganzer Linie und dabei an Eleganz und Stil nicht zu überbieten. Grau ist ja bekanntlich das neue Schwarz.

Grau wirkt elegant und souverän, stark und cool. Es bringt andere Farben zum Leuchten, hält sich dabei lässig im Hintergrund. Grau als neutraler Ton funktioniert als Basis für so ziemlich jede Farbe, geht mit gedeckten Tönen harmonisch Hand in Hand oder bietet grellen Farben die perfekte Grundlage, um noch stärker zum Strahlen zu kommen. Ob Scandi-Style, Industrial, Vintage oder Purismus – Grau geht immer. Grautöne funktionieren super zu kühlen Materialien wie Glas, Sichtbeton, Metall und unterstreichen den Charakter von Nüchternheit und Klarheit. Sie passen aber auch wunderbar zu warmen Naturmaterialien wie dunklem Leder, Kork oder Holz und schaffen ein spannendes Gegengewicht. Grau ist nicht gleich Grau, die Farbpalette ist unerschöpflich. Warme Töne, die eine gemütliche Atmosphäre unterstreichen. Neutrales Grau, das sich unauffällig integriert. Kühle Töne, die diszipliniert und distanziert daherkommen. Für alles und jeden ist was passenden dabei.

Schwarz und weiß – zeitloser Klassiker

Ich liebe schwarz-weiß! Seit vielen Jahren sind diese „Farben“, die ebenso streng genommen keine sind, meine absoluten Favoriten. Absolut zeitlos, stilvoll, lässig. Und momentan gerade auch total angesagt. Klickt man sich durch Instagram, Pinterest und Co. wird schnell klar, man kommt gerade nicht daran vorbei.

Schwarz und weiß sind vor allem so reizvoll, weil mit Kontrasten maximal gespielt werden kann. Schwarz-weiß wirkt anregend, urban, expressionistisch und elegant. Dunkle Nischen, abgesetzte Decken, Vorsprünge und Kanten erhalten durch diesen Kontrast eine maximale Plastizität und räumliche Tiefe. Dadurch erhalten Räume in schwarz-weiß unwillkürlich eine besondere Spannung. Das gilt nicht nur bei der Farbgestaltung der Wände, sondern auch bei Innenarchitektur und Deko.

Durch die reduzierte Farbgebung kommen Muster und Grafiken besonders cool zu Geltung. Aktuell trendige Ethno-Muster in schwarz-weiß zum Beispiel schaffen einen sehr reizvollen Spagat zwischen Urbanität und Folklore. Klassiker-Muster schlechthin sind Fliesen im Schachbrettmuster und Streifen. Einfach zeitlos und immer elegant! Muster und Texturen sind bei der Gestaltung in schwarz-weiß ein wichtiger Aspekt, um Räume mit lebendiger Atmosphäre zu kreieren, denn bei zu glatten, sterilen Oberflächen und monotonen Texturen können sie sonst schnell kühl und unnahbar erscheinen. Das ist möglicherweise schön zum anschauen, aber unangenehm für den Aufenthalt.  Brüche sind daher von großer Wichtigkeit. Das Spiel mit unterschiedlichsten Strukturen, Mustern, Oberflächen – glatt und rauh, weich und hart, natürlich und künstlich.

Interior in schwarz-weiß hat einen besonderen urbanen Charakter. Im Scandi-Style und im Industrial-Style lassen sich schwarz-weiß Kontraste besonders gut einbinden. In Kombination mit kühlen Materialien wie Beton, Glas und Metall lässt sich der coole, reduzierte Look noch stärker betonen. Wer es gern etwas weicher und gemütlicher will, setzt warmes Holz wie Eiche, kuschlige Felle und Naturmaterialien ein.

Gutes Design ist gutes Geschäft – Warum Gestaltung für Unternehmen wichtig ist

Eine gute, überzeugende Gestaltung der Geschäftsräume wird leider oft unterschätzt, ist aber wichtig für Unternehmen, Gründer und Kunden. Denn sie hat die Kraft Diskrepanzen zwischen Kunde und Unternehmer abzubauen, Werte nach außen zu tragen und ein Business erfolgreicher zu machen.

Nur Qualität steht für Qualität

Letztens fand ich ein Zitat von Thomas Watson jr., Gründer von IBM: „Gutes Design ist gutes Geschäft!“. Und diese fünf Worte sprachen mich erstens sehr an und zweitens mir sehr aus der Seele. Denn sie bringen es auf den Punkt. Die Crux dabei ist nur, gutes Design ist nicht einfach nur hübsche Gestaltung, sondern wesentlich komplexer.

Die Gestaltung unserer direkten Umgebung hat einen enormen Einfluß auf unser Verhalten, unsere Arbeit, sogar unser Selbstbewusstsein. Störfaktoren werden zwar oft nur unbewusst wahrgenommen, können aber mit großen negativen Einbußen in Bezug auf Arbeitseinstellung, Produktivität, Kundengewinnung und nicht zuletzt guter Laune zu Buche schlagen. Blöd nur: oft kann die Ursache dieser Missstimmung gar nicht herausgefiltert werden, denn der Einfluss der Qualität unserer Umgebung wird meist unterschätzt und nicht für voll genommen. Viele haben dieses Thema schlichtweg nicht auf dem Schirm. 

Sichtbarkeit, Authentizität, Selbstbewusstsein und Achtsamkeit gewinnen bei Unternehmern immer stärker an Bedeutung. Zum Glück und zu Recht, denn diese Punkte sind wichtige Stellschrauben, wenn es um die persönliche Zufriedenheit geht, egal ob privat oder im Job – im Idealfall in beiden Bereichen. Die bewusste Auseinandersetzung mit uns selbst, unserer Arbeitsauffassung und unserer Umwelt führt uns und unsere Arbeit auf eine neue Ebene, schafft Arbeit von höherer Qualität.

Gestaltung transportiert Werte und schafft Identifikation

Doch wenn es um die physische Gestaltung unseres Arbeitsumfeldes geht, wird das Thema der Optimierung allzu oft ignoriert, obwohl gerade hier eine Menge Potential verborgen ist. Man kennt das Szenario: Das Büro ist mehr ein schwach belichtetes Hinterzimmer, Drehstuhl und Schreibtisch wurden noch vom Vormieter übernommen, der in den 90igern mal etwas mehr in die Ausstattung investiert hatte, in der abgelebten Teeküche stapeln sich Kaffeetassen und auf dem alten Sideboard die unsortierte Ablage. Schon beim reinen Anblick der Büroräume kommt Frust auf und die Motivation sinkt um einige Prozentpunkte in den Keller. Souveränes Headquater, energiespendende Homebase, inspirierender Think Tank? Absolute Fehlanzeige!

Gute Innenarchitektur am Arbeitsplatz hilft entscheidend stärker sichtbar zu werden, seinen point of view nach Außen zu transportieren  und selbstbewußt das eigene Unternehmen nach vorne zu bringen! Die Gestaltung der Unternehmensräume ist ebenso Aushängeschild und Repräsentationsfläche der Firma wie es Website und Visitenkarte sind. Sie sagt viel über die Beziehung von Founder, Unternehmen und Kunden aus. Welche Werte möchte man nach Außen tragen, wofür steht ein Unternehmen? Welche Zielgruppe soll durch das Auftreten und das der Arbeitsumgebung angesprochen werden? Finden sie sich in der Darstellung des Unternehmens überhaupt wieder, können sie sich mit diesem identifizieren und ist es ihnen möglich darüber langfristig eine treue Kundenbeziehung zu entwickeln?

Sympathie und Nähe zum Kunden schaffen

Als Kunde möchte ich wertgeschätzt werden und das Gefühl haben, dass mein Gegenüber mich versteht und in der Lage ist, meine Wünsche zu bedienen und meine Probleme zu lösen. Ich brauche ein Gefühl der Nähe. Fühle ich mich angesprochen vom räumlichen Umfeld der Firma, erhöht es auch meine Sympathie dem Unternehmen gegenüber. Wobei es hierbei nicht allein um schönes Design geht, sondern um gute Gestaltung, die authentisch daher kommt und sinnvoll eingesetzt wird. Nur so kann Kundennähe aufgebaut werden. Und da spielt es im Grundsatz keine Rolle, ob es sich um ein Ladengeschäft, ein Café oder ein Büro handelt. Ich möchte mich wiedererkennen im Gegenüber, das Unternehmen muss zu mir passen.

Emotionen spielen ohnehin eine entscheidende Rolle. Auch wenn wir uns als abgeklärte, rational tickende Konsumenten sehen möchten, werden wir in erster Linie auf der emotionalen Ebene angesprochen, sie bestimmt unser Handeln maßgeblich. Unser Vertrauen schenken wir daher weniger dem Unternehmer mit den besten Referenzen, als vielmehr jenem, der unsere  Sympathie und unser Vertrauen gewinnen kann. Und dieser Gewinn setzt Ehrlichkeit und Authentizität voraus! Buntes Event und schrille Aufmachung sind zwar spannend und unterhaltsam, erzeugen damit Aufmerksamkeit, sind aber nicht automatisch Garant für Kundenbindung. Im Gegenteil, denn die falsche Dosierung kann auch schnell umgekehrten Effekt haben, als anbiedernd und aggressiv empfunden werden.

Kommunikation auf Augenhöhe

Es ist von großer Wichtigkeit, die Bedürfnisse der Zielgruppe zu erspüren, sie zu respektieren und ernst zu nehmen, sie sogar lieben zu lernen und zum eignen obersten Anliegen zu machen. Auch in der Innenarchitektur und Präsentation des Unternehmens müssen Kunden sich erkannt, respektiert, berührt und aufgefangen fühlen. Hierbei ist es entscheidend Qualitäten, Formsprache und Materialität zu wählen, die der Zielgruppe nahe sind. Liegt die Gestaltung meiner Unternehmensräume in Qualität und Ambiente unterhalb der Erwartungen meiner Kunden, werden diese mich nicht wahrnehmen und wertschätzen. Die Räumlichkeiten wird immer auch als Spiegel des Leistungsangebots empfunden. Doch auch hochwertiges, edles Ambiente ist hierbei nicht automatisch der Schlüssel zum Erfolg oder, im ersten Schritt, zum Herzen des Kunden. Denn eine für die Zielgruppe unpassende und „zu schicke“ Unternehmenspräsentation wird schnell als kühl und unnahbar verstanden, kann den Kunden schlichtweg nicht berühren. Es entsteht ein sehr unangenehmes Gefühl, von oben herab begrüßt zu werden, was zu einer Distanz und letztlich einer Hemmschwelle führt, das Unternehmen überhaupt anzunehmen.

Kunden möchte immer auf Augenhöhe betrachtet und erst recht behandelt werden. Und eigentlich sollte dies auch im Interesse des Unternehmens sein. Für alle ist von vorn herein klar, dass es sich um ein Geschäft handelt, dass nicht (allein) zum Spaße über die Bühne geht, sondern der einen Partei einen Nutzen und der anderen einen angemessenen Verdienst erbringen soll. Fühlt sich eine der beiden Parteien unwohl, ist eine für alle erfreuliche Zusammenarbeit nur schwer möglich. Selbst wenn es zu einer Geschäftsbeziehung kommen mag, bleibt stets ein schaler Beigeschmack. Ein befreites, kreatives und für alle erfolgreiches und gutes Geschäft ist nur auf Augenhöhe möglich. Das ist schließlich in den meisten Beziehungen unseres Lebens so, auch in der Beziehung Auftragnehmer – Auftraggeber.

Aufgrund des Expertenstatus‘ des Unternehmers entsteht gegenüber dem Kunden meist im Vorfeld ein Ungleichgewicht, das der Kunde nicht als unangenehmen Nachteil spüren sollte. Diese Diskrepanz ist natürlich und kann durch eine angemessen Raumwirkung und Gestaltung abgebaut und reduziert werden. Ein angenehmes Ambiente schafft einen Raum, um sich wohlzufühlen, dies wiederum ist die Basis für eine gute Zusammenarbeit.

Mit Strategie und Können zur überzeugenden Innenarchitektur

Es liegt also im Interesse eines jeden Unternehmers eine überzeugende, unterstützende Raumqualität zu entwickeln, die ein angenehmes Umfeld schafft, Kunden direkt anspricht und die eigne Qualität und Werte des Unternehmens herausarbeitet. Nun lassen sich gutes Design, Wohlfühlfaktor und Authentizität meist nicht allein mit Hilfe von Pinterestboards und Interiorblogs in den Laden oder ins Büro zaubern. Vielmehr ist es eine sensible Kreation, die für Außenstehende oberflächlich eher wie eine beruhigende und wohlige Selbstverständlichkeit erscheint, jedoch mit viel Beobachtung, Analyse, Kenntnis und Fingerspitzengefühl in einem sorgfältigen Prozess entwickelt wird. Eine Investition hierin zahlt sich für Unternehmer und Kunde schnell aus.